Startseite Impressum Kontakt Warenkorb

Serie Diabetes und Herz, Teil 5:

Mit Depressionen dreifach gefährdet
Im Diabeteszentrum Bad Oeynhausen werden alle Patienten auch auf Depressionen untersucht. Das soll eine erfolgreichere Behandlung ermöglichen. Ein Interview mit Professor Diethelm Tschöpe
Professor Diethelm Tschöpe ist Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung „Der herzkranke Diabetiker“ und Direktor des Diabeteszentrums am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, Bad Oeynhausen.

Professor Tschöpe, sind Depressionen eine neue Risikokategorie für Diabetiker?

Ja. Denn Tatsache ist, dass Depressionen eine verbreitete chronische Erkrankung sind, die noch dazu stark zunimmt. Es sind besonders zwei Patientengruppen, die ein hohes Risiko für depressive Verstimmungen aufweisen: Typ-2-Diabetiker und Menschen mit Veränderungen in den Herzkranzgefäßen, also mit koronarer Herzkrankheit (KHK).

Handelt es sich dabei nicht nur um statistische Auffälligkeiten?

Die Zusammenhänge sind zunächst tatsächlich im Rahmen epidemiologischer Studien aufgefallen. Die Frage, welche ursächliche Verknüpfung besteht, lässt sich noch nicht beanworten. Gibt es eine direkte, physiologische Beziehung, oder ist die Depression eine Reaktion auf die chronische Erkrankung oder die intensive Therapie? Beide Erklärungen spielen wohl eine Rolle. Klar ist, dass eine Depression Stress für den Körper darstellt und hormonelle Regelkreise beeinflusst.

Welche Konsequenzen hat dies für die Betreuung von Diabetikern?

Letztlich sollte der Arzt Depression, Herzkrankheit und Diabetes als ein funktionelles Dreieck verstehen, in dem jede Komponente die andere beeinflusst. Zweifellos verschlechtern depressive Verstimmungen den Krankheitsverlauf des Diabetes. Zudem werden Gefäßkomplikationen um den Faktor drei bis vier verstärkt. Depressive stellen Hochrisikopatienten unter den Diabetikern dar.

Nicht jede depressive Verstimmung ist eine Depression.

Sicherlich ist die Ausprägung sehr unterschiedlich. Grundsätzlich aber gilt, dass depressive Stimmungslagen häufig nicht erkannt werden. Die Dunkelziffer ist hoch: Manche Schätzungen gehen von 50 Prozent aus.

Halten Sie eine systematische Untersuchung darauf für sinnvoll?

Das wäre sicherlich sehr gut. An unserer Klinik haben wir es bereits umgesetzt. Bewährt hat sich ein von der Weltgesundheitsorganisation WHO entwickelter Fragebogen. Erreicht der Patient einen bestimmten Punktwert, muss dem Problem nachgegangen und die Diagnostik intensiviert werden, um die passende Therapie festzulegen.

Verbessert die Behandlung auch die Diabetes-Prognose?

Sie tut sicherlich auch der Zuckerkrankheit und dem Herzen gut. Schließlich handelt es sich um einen Teufelskreis: Depressive Menschen haben weniger Antrieb und erfüllen Therapie-Erfordernisse eher weniger gut. Lebensstiländerungen sind unverzichtbarer Bestandteil der Behandlung, aber sie erfordern viel Kraft und Einsatz, die depressive Patienten oft nicht aufbringen können. Gelingt es, die Depressionen in den Griff zu bekommen, lässt sich der Teufelskreis durchbrechen.


Adressen
Weiterführende Informationen erhalten Sie unter anderem bei folgenden Stiftungen:

Stiftung „Der herzkranke
Diabetiker“ in der Deutschen
Diabetes-Stiftung
Georgstraße 11
32545 Bad Oeynhausen
Fax: 0 57 31/97 21 22
info@der-herzkranke-diabetiker.de

Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT!
Wolfratshauser Straße 9
82065 Baierbrunn bei München
Telefon: 0 89/30 76 80 23
Fax: 0 89/30 76 80 24
info@stiftung-rufzeichen-gesundheit.de


Apotheken Umschau


Geschrieben am 21.09.2007 um 07:20
Alle News/Infos anzeigen
Kundenlogin | Datenschutz | Impressum | AGB | Kontakt


All Rights Reserved by Faust Apotheke Leipzig

copyright © StorEdit CMS & Shopsoftware