Startseite Impressum Kontakt Warenkorb

Schieferöl:

Heilung aus der Tiefe
Die „Zugsalbe“ hat sich als Hausmittel etabliert
Es ist dunkelbraun bis schwarz und riecht nach Schwefel und Teer – nicht gerade vertrauenerweckende Eigenschaften. Dennoch wird es seit mehr als 100 Jahren erfolgreich bei der Behandlung von Neurodermitis und Rosazea eingesetzt: das Schieferöl. Schon lange bevor der Hamburger Dermatologe Paul Gerson Unna das Schieferöl als Rezeptursubstanz in die Medizin einführte, galt es bei den Bergbauern in Tirol als Heilmittel für Mensch und Tier.

Im Karwendelgebirge wird bis heute Ölschiefer abgebaut. Bei den fettig braunen, schwefelreichen Steinen handelt es sich um Fossilien aus der Jura- oder Kreidezeit. Wo sich heute die Alpen erheben, befand sich vor rund 200 Millionen Jahren „Tethys“, ein Ozean. Auf seinem Grund lagerten sich die Überreste toter Lebewesen ab: Fische, Krustentiere und Mikroorganismen. Aus diesen Sedimenten entstand in vielen Jahrmillionen auch der Ölschiefer.

Krustentiere und Fischreste
Um aus dem Schiefer einen pharmazeutischen Wirkstoff zu gewinnen, wird er trocken destilliert und das freigesetzte, gereinigte Öl anschließend „sulfoniert“, also mit Schwefelsäure versetzt. So entsteht Schieferöl, in der Fachsprache Ammonium-Bitumino-Sulfonat genannt. Die charakteristische Farbe und der intensive Geruch von Schieferöl erinnern an Steinkohlenteer, weshalb es auch oft mit diesem verwechselt wird. Doch selbst wenn Aussehen und Wirkung etwas anderes vermuten lassen, handelt es sich um völlig verschiedene Substanzen.

Und während die Verwendung von Teer umstritten ist – einige Bestandteile erwiesen sich im Tierversuch als krebserregend –, gilt die „schwarze Salbe“ als unbedenklich. Als „Zugsalbe“ hat sie ihren Platz in vielen Hausapotheken und eignet sich hervorragend zur Behandlung von Furunkeln.

„Das Schieferöl zieht Entzündungszellen massiv an und bewirkt, dass sich das Furunkel innerhalb eines Tages entleert“, erklärt Professor Dr. Fritz Böhm, Hautarzt aus Berlin. Auch zur Behandlung von Neurodermitis setzt er das alte Hausmittel ein, allerdings in einer helleren Variante. Bei akuten Ekzemen verwendet Böhm eine rezeptpflichtige Creme aus Schieferöl und Kortison. „In der Regel heilen Ekzeme nach zwei bis drei Tagen ab und hinterlassen eine stabilisierte Haut“, sagt der Dermatologe. In der Langzeittherapie, speziell bei Kindern, kombiniert er Schieferöl mit Zinkoxid und setzt auch auf die heilungsfördernden Eigenschaften. Wo andere Ärzte auf Kortison bauen, hat Böhm mit dem Öl gute Erfahrungen gemacht, schränkt aber ein: „Bei schweren, nässenden Entzündungen geht es nicht ohne Kortison.“

Auch in der Kosmetik verwendet
Färben Rosazea oder Couperose die Wangen rot und lassen die Talgdrüsen im Gesicht anschwellen, vertraut Böhm auf die antientzündliche und talgmindernde Wirkung des Schieferöls. Kombiniert mit Zink und über Nacht aufgetragen, wird die Rötung aufgehellt. Außerdem helfen die talgreduzierenden Eigenschaften des Schieferöls bei der Behandlung milder Akneformen, auch wenn diese Methode etwas aus der Mode gekommen sei, wie Fritz Böhm sagt.

Bei Schuppenflechte könne Schieferöl ebenfalls eingesetzt werden, seine Wirkung sei aber schwächer als die der klassischen Teersalben. Die schwarze Salbe färbt starkt. Wer Zugsalbe verwendet, sollte daher seine Kleidung schützen und die behandelte Stelle mit Mull abdecken. Die richtige Rezeptur bei Neurodermitis oder Rosazea legt am besten der Hautarzt fest. In der Kosmetik wird Schieferöl mittlerweile ebenfalls verwendet, zum Beispiel bei Kopfschuppen. Die entsprechenden Produkte gibt es in der Apotheke – und die gute alte Zugsalbe natürlich auch.

Apotheken Umschau


Geschrieben am 08.08.2007 um 07:20
Alle News/Infos anzeigen
Kundenlogin | Datenschutz | Impressum | AGB | Kontakt


All Rights Reserved by Faust Apotheke Leipzig

copyright © StorEdit CMS & Shopsoftware