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Klinische Pharmazie: |
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Helfer im Verborgenen Viele Krankenhäuser haben ihre eigene Apotheke – zum Nutzen von Patienten und Budget Fast jeder Klinikpatient bekommt Medikamente. Aber kaum einer trifft je die Menschen, die sie herstellen, lagern und überwachen. Krankenhausapotheker wirken meist im Verborgenen. Neun sind es beispielsweise in der Leipziger Universitätsklinik. Mit 30 Mitarbeitern organisieren sie die Arzneimittelversorgung für das 1250-Betten-Haus. Ihre Wirkstätte: ein ockerfarbener, von roten Weinranken überzogener Klinkerbau aus der Gründerzeit.
Viermal am Tag ist Lieferzeit „Leipzig ist ein typisches Beispiel für unseren Berufsalltag“, sagt Michael Lueb, Leiter der Apotheke des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld und Präsident des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker. „Allerdings leistet sich nur noch ein Viertel der deutschen Kliniken eine eigene Apotheke. Der Rest lässt sich von anderen Krankenhaus- oder öffentlichen Apotheken mitversorgen.“
„Das Herz“ nennt Dr. Roberto Frontini, der Leiter der Leipziger Klinikapotheke, den Raum hinter dem Eingang mit den hellbraunen Schränken. „Hier kommen die Wünsche, Fragen und Informationen aus der ganzen Klinik auf unserem Computer und über Telefon an. Hier beraten wir uns, von hier aus verteilen wir die Arbeit auf die einzelnen Abteilungen.“ Apotheker Dr. Andreas Engel leitet die Abteilung „Versorgung“. Dazu zählt das Arzneimittellager, das sich fast über alle Räume im Erdgeschoss erstreckt.
Die Regale mit den alphabetisch sortierten Medikamenten reichen bis unter die Decke. Viermal am Tag beliefern Engels Mitarbeiter die Stationen mit Medikamenten. „80 bis 100 Bestellungen bekommen wir jeden Tag“, sagt Engel. „Früher mussten wir jede einzeln in Handarbeit zusammenstellen. Heute hilft uns ein Automat.“
Zunächst aber sucht ein Mitarbeiter für acht Stationen gleichzeitig die angeforderten Medikamente aus den Regalen und legt sie auf ein Förderband. An dessen Ende sortieren dann Automatenarme die Packungen wieder auseinander und verteilen sie auf die acht Stationskisten, die bereitstehen. Manche Produkte – vor allem zerbrechliche, gekühlte und sperrige – werden aber weiterhin von Hand zusammengepackt. Der Transportdienst verteilt die Lieferungen auf die Stationen, wo sie in Arzneimittelschränken auf ihre Verschreibung durch Ärzte warten.
Arbeiten im Schutzanzug Einige Arzneien werden im Stockwerk über dem Lager selbst angefertigt.„Manchmal ist das kostengünstiger als der Einkauf von industriellen Produkten“, erklärt Apothekerin Dr. Yvonne Remane, die Leiterin der Herstellungsabteilung. „Aber viel öfter sind wir gefragt, weil Patienten – insbesondere Kinder – Kapseln, Salben oder Zäpfchen in einer individuellen Dosis benötigen, die nicht auf dem Markt erhältlich ist.“ Meist kommen dabei die gleichen Gerätschaften zum Einsatz wie in öffentlichen Apotheken, allerdings oft ein paar Nummern größer.
Die Schalen, in denen sich bis zu fünf Kilogramm Creme rühren lassen zum Beispiel, oder die Destillationsanlage mit einem Volumen von mehreren Kubikmetern. In einem sterilen Bereich werden Infusions- und Injektionslösungen hergestellt. Dorthin gelangen Remanes Mitarbeiter nur über eine Schleuse, in der sie Handschuhe überstreifen sowie Kopf und Körper mit Haube und Schutzanzug verhüllen.
Noch strenger gesichert sind die Räume zur Zytostatikaherstellung. Denn diese Krebsmedikamente, die passend zu Gewicht und Größe des Patienten maßgeschneidert werden, greifen nicht nur Tumore an, sondern auch gesundes Gewebe und können deshalb die Gesundheit derer gefährden, die sie herstellen.
Also arbeiten an jedem Zytostatikum zwei Personen, die sich gegenseitig kontrollieren. Die eine spritzt hinter einer schützenden Glasscheibe eine Kochsalzlösung in ein Fläschchen, um das gefriergetrocknete Zytostatikum darin aufzulösen. Anschließend füllt sie die Flüssigkeit in den bereitliegenden Infusionsbeutel oder die Injektionsspritze. Hinter ihr steht eine Kollegin und dokumentiert jeden einzelnen Arbeitsschritt.
Außerdem reicht diese die nötigen Gerätschaften hinter die Scheibe und kümmert sich um die Verpackung und Etikettierung der fertigen Krebsmedikamente. Die beiden Mitarbeiterinnen arbeiten hochkonzentriert, wechseln regelmäßig die Position und machen nach spätestens vier Stunden eine Pause. Das Arzneimittelgesetz verlangt, dass auch selbst hergestellte Medikamente und ihre Ausgangsstoffe auf Qualität geprüft werden. Darum kümmert sich die Abteilung Analytik von Dr. Jan Vogel, noch einmal ein Stockwerk höher. Alle dafür notwendigen Reagenzien und Geräte stehen in den Labors bereit. Wie die Versuche durchzuführen sind, schreibt das Europäische Arzneibuch vor.
Kostengünstiger Einkauf Auf Medikamente entfallen drei bis vier Prozent der Klinikkosten. Am Jahresbeginn gibt die Krankenhausverwaltung den Chefärzten ein Arzneimittelbudget vor, mit dem sie auskommen sollten,„Wir sind die Treuhänder dieses Budgets“, sagt Lueb. „Wir versuchen, Medikamente kostengünstig einzukaufen.“ Frontini ergänzt: „Anders als öffentliche Apotheken verhandeln wir über die Arzneimittelpreise direkt mit den pharmazeutischen Unternehmen.“ Diese Verhandlungen sind Chefsache, zudem sitzt Frontini mit den Chefärzten in der Arzneimittelkommission, die zweimal im Jahr jene Liste überarbeitet, in der steht, welche Arzneimittel eine Krankenhausapotheke vorrätig hält.
Engels Lager umfasst beispielsweise etwa 1400 Medikamente. Wenn Stationsärzte ein nicht gelistetes Medikament verordnen, entstehen der Klinik Extrakosten. Also überprüfen Apotheker die Notwendigkeit dieser „Sonderanforderungen“. Dazu führt Dr. Donald Ranft aus der Abteilung Klinische Pharmazie Datenbankrecherchen durch. „Ab und zu muss ich über meine Entscheidungen mit Stationsärzten diskutieren oder Patienten beruhigen, dass unsere blauen Tabletten genauso gut wirken wie die rosa Pillen vom Hausarzt.“
Einen Teil seiner Arbeitszeit wendet er auf für die „oft kniffligen“ Anfragen der Ärzte und Pfleger: „Ich musste etwa überlegen, welche Vitamine in welcher Dosis man einem vierjährigen Kind mit künstlich verkleinertem Magen geben soll.“ Um Behandlungsfehlern vorzubeugen, hat sein Kollege für jedes vorrätige Medikament ein Therapieschema erarbeitet und in die Datenbank mit den Patientenakten eingegeben. So kann der Arzt beispielsweise zu einer ausgewählten Infusion genau die richtige Dosis und Laufgeschwindigkeit verordnen.
Spareffekte durch Fachwissen Dr. Donald Ranft kommt auch an das Krankenbett. Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit der Bauchchirurgie besuchte er oder seine Kollegin jeden neu eingewiesenen Patienten. Sie listeten alle Medikamente auf, die der Kranke normalerweise einnahm. Mit diesen Daten und der Diagnose erstellten sie eine geeignete Arzneimitteltherapie für seine Liegezeit im Krankenhaus, die sie dann regelmäßig überwachten. In den sechs Monaten des Projekts lagen die Arzneimittelkosten pro Patient etwa 20 Prozent niedriger als sonst. Als Nächstes möchte er solche Besuche auf der Intensivstation machen. „Ähnliche Projekte laufen auch in anderen Kliniken“, sagt Frontini. „Wir erhoffen uns davon mehr Stellen, um irgendwann amerikanische Verhältnisse zu erreichen. Dort gehören neben Ärzten und Pflegern immer auch Apotheker zum therapeutischen Team.“ Vielleicht lernen Klinikpatienten also in Zukunft die Helfer im Verborgenen doch öfter einmal persönlich kennen.
Ausbildungsweg
Rund 1600 Krankenhausapotheker gibt es in Deutschland.Die meisten haben sich nach dem Pharmaziestudium drei Jahre lang in klinischer Pharmazie weitergebildet.
Apotheken Umschau |
Geschrieben am 07.08.2007 um 07:20 Alle News/Infos anzeigen
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