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Beruhigende Bilanz Der gefährliche Parasit infiziert nur wenige Menschen. Die Ansteckungswege bleiben rätselhaft Fabeln nennen ihn schlau, zugleich aber gilt er als ziemlich hinterlistig. Und auch sonst hat der Fuchs einen schlechten Ruf: Er ist verschrien als Hühnerdieb, als Überträger der in Deutschland fast ausgerotteten Tollwut – und als Wirtstier des Kleinen Fuchsbandwurms, der für Menschen lebensgefährlich ist. Experten nennen die von diesem Parasiten verursachte Erkrankung „Echinokokkose“.
Seit 2001 müssen Labore Befunde, die auf diese Krankheit hindeuten, an das Robert-Koch-Institut melden. Dessen Bilanz be ruhigt: 30 Fälle verzeichnete die Behörde im vergangenen Jahr, insgesamt 107 Menschen erkrankten seit 2001, die meisten davon in Süddeutschland. Damit bleibt die Echinokokkose ein seltenes Leiden – selbst wenn die tatsächliche Erkrankungsrate wohl geringfügig höher liegt, weil diagnostisch unklare Fälle nicht in die Statistik eingehen.
Eine weitere beruhigende Nachricht kommt von Forschern. Dass man sich durch Beeren, Kräuter oder Gemüse aus nicht fuchssicher eingezäunten Gärten infizieren könne, sei „ein Märchen“, sagt Professor Peter Kern von der Uni Ulm, Koordinator des Europäischen Echinokokkose-Registers. Eine von Kern geleitete Studie, für welche die Forscher bei 40 Fuchsbandwurm- Patienten Risikofaktoren erhoben, ergab keinen Hinweis auf einen solchen Ansteckungsweg.
Erhöhtes Risiko für Hundehalter Ein erhöhtes Risiko wiesen dagegen Menschen auf, die viel im Freien arbeiten. Besonders deutlich war ein anderer Zusammenhang: Die meisten Erkrankten besaßen Hunde. Die Vierbeiner können den Parasiten ebenfalls als Endwirt beherbergen, ohne selbst zu erkranken. „Hundehalter und Katzenbesitzer, die sichergehen wollen, sollten ihre Tiere spätestens alle sechs Wochen entwurmen“, mahnt Professor Klaus Brehm vom Konsiliarlabor für Echinokokkose an der Universität Würzburg.
Die Forscher räumen allerdings auch viele Unklarheiten ein. „Wir wissen bei keinem einzigen Patienten, wie er sich tatsächlich infiziert hat“, sagt Klaus Brehm. „Klar ist nur, dass der Fuchs die Eier mit dem Kot ausscheidet und dass der Zwischenwirt sie auf irgendeine Art verschlucken muss“.
Viel Raum für Spekulationen Das lässt viel Raum für Spekulationen: Können Bandwurmeier über an den Händen haftende Erde in den Magen gelangen? Schleppen Hunde in ihrem Fell die gefährliche Fracht in das Haus? Oder besteht doch Infektionsgefahr etwa auf Erdbeerfeldern, wo Füchse Mäuse jagen und Kot hinterlassen? Da all dies nicht geklärt ist, rät das Robert-Koch-Institut zur Vorsicht: Gründlich die Hände waschen, ebenso Früchte und Kräuter; Erhitzen auf über 60 Grad tötet die Eier ab, Tiefkühlen hingegen nicht.
Unklar ist auch, wie viele Eier für eine Infektion nötig sind und wie häufig das menschliche Immunsystem mit den Erregern fertig wird. Vor einigen Jahren untersuchten Forscher um Peter Kern rund 2500 Bewohner aus Dörfern der Schwäbischen Alb. Bei etwa 60 von ihnen enthielt das Blut Antikörper gegen den Fuchsbandwurm; ein Hinweis, dass sie einmal Kontakt mit den Parasiten hatten. Doch die Ultraschalluntersuchung wies die Krankheit nur bei drei Personen nach. Möglicherweise, vermutet Klaus Brehm, sind Menschen genetisch bedingt unterschiedlich empfänglich für die Erreger. Das Bestreben, solche Fragen näher aufzuklären, scheitert jedoch an spärlich fließenden Fördermitteln.
Nicht überall effektiv war bisher die Bekämpfung mit Ködern, die wurmabtötende Mittel enthalten. Im Landkreis Starnberg legten Forscher die Fresspakete von Hand aus – mit großem Erfolg. Sie erreichten ihr Ziel auch dort, wo der Köderabwurf aus Flugzeugen tabu ist: bei jener wachsenden Zahl von Füchsen, die nahe menschlichen Siedlungen leben.
Füchse breiten sich aus Die Schwäbische Alb, Oberschwaben und das Allgäu sind die klassischen Verbreitungsgebiete des Fuchsbandwurms. „Doch inzwischen sind Füchse in ganz Deutschland befallen“, berichtet der Parasitologe Dr. Thomas Romig von der Universität Hohenheim. Generell nimmt die Zahl dieser Wildtiere zu – unter anderem deshalb, weil kaum noch Füchse der Tollwut erliegen.
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Geschrieben am 01.11.2007 um 07:20 Alle News/Infos anzeigen
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