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Bewegen, nicht belasten! Gelenkverschleiß beginnt oft schleichend und ist nur schwer zu stoppen. Die richtige Therapie kann ihn aber spürbar bremsen Bei Ausgrabungen fördern Archäologen zutage, was unsere Vorfahren hinterlassen haben: Reste von Stadtmauern, Scherben, Schmuck – und Knochen.
Das Erstaunliche: Noch nach Tausenden von Jahren ist manchen ein Gelenkverschleiß anzusehen. Auch unsere Ahnen hatten mit der Abnutzung von Knie und Hüfte zu kämpfen. Heute werden in Deutschland etwa fünf Millionen Menschen wegen Arthrose behandelt. Sogar auf dreimal so hoch wird die Zahl derjenigen geschätzt, die nur über schubweise auftretende Schmerzen klagen oder bei denen sich die Krankheit noch „stumm“ verhält.
Perfektes Gleiten Arthrose entsteht an den beweglichen Verbindungen zweier Knochen, den Gelenken. Damit jene nicht aufeinanderreiben, sind sie mit Knorpel und einer zähflüssigen Gelenkschmiere überzogen. Wasser ist der Hauptbestandteil dieses Gewebes.
„Die Gleiteigenschaften des Knorpels sind so gut, dass sie technisch gar nicht nachzuahmen sind“, sagt Dr. Ingo Tusk, Orthopäde an der Klinik Rotes Kreuz in Frankfurt am Main. Doch Knorpel wächst nicht nach. Er wird abgerieben, zum Beispiel als Folge eines Unfalls, aufgrund von Fehlstellungen, etwa X- oder O-Beinen, oder Instabilitäten der Bänder.
In den meisten Fällen ist die Ursache der Arthrose jedoch unbekannt. „Wir wissen lediglich, dass die Krankheit oft in der Familie liegt und Frauen nach den Wechseljahren häufiger trifft“, sagt Professor Dr. Joachim Grifka, ärztlicher Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Regensburg. Warum gerade Frauen zwischen 50 und 60 Jahren so oft an Arthrose leiden, ist ungeklärt. Hormone könnten eine Rolle spielen, gesicherte Daten dazu gibt es nicht.
Gelenkverschleiß gilt als typische Alterserscheinung, oft bleibt er lange stumm. Der Abrieb des Knorpels ist nicht spürbar, erst wenn sich die Gelenkinnenhaut entzündet, entstehen Schmerzen. Meistens betrifft die Arthrose einzelne Gelenke besonders, etwa das Knie (Gonarthrose) oder die Hüfte (Coxarthrose), seltener Finger oder Sprunggelenke. Die entzündete Stelle wird rot und warm, Bewegung fällt schwer. Da die Krankheit in Schüben verläuft, kann nach dem Rückgang der Entzündung für eine Weile Ruhe sein. In einer Röntgenaufnahme lässt sich der Verschleiß gut erkennen am Gelenkspalt zwischen den Knochen. Da Knorpel aus Wasser, Zucker und Eiweiß besteht, ist er auf dem Bild nicht zu sehen. Geht der Knorpel zurück, wird der Spalt kleiner.
Arthrose oder Rheuma? Die Symptome sind ähnlich: Geschwollene, entzündete Gelenke, die Bewegungen schmerzen. „Trotzdem muss Arthrose klar vom Rheuma abgetrennt werden“, sagt Professor Joachim Grifka von der Universitätsklinik Regensburg.
Rheuma ist eine Autoimmunerkrankung, die den ganzen Körper betrifft. Hier verursacht die Entzündung den Gelenkverschleiß.
Bei der Arthrose entsteht die Entzündung durch fortgeschrittenen Abrieb des Knorpels.
Die Symptome lindern Bei Arthrose sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Der Knorpelabrieb ist zwar nicht aufzuhalten, mit einer gezielten Therapie jedoch zu bremsen.
Wenn jeder Schritt schmerzt und alle Gedanken um das entzündete Gelenk kreisen, mag niemand an Bewegung oder gar Sport denken. Doch Knie oder Hüfte übermäßig zu schonen, ist falsch. „Je weniger das Gelenk bewegt wird, desto schneller geht der Knorpel zurück“, erklärt Albert Ziegler, Physiotherapeut in München.
Akut helfen entzündungshemmende Schmerzmittel. Wenn das Knie dick wird, für etwa zehn Minuten eine kalte Kompresse auflegen, damit die Gelenkschleimhaut abschwellen kann. Spritzen mit Hyaluronsäure sollen die Symptome für ein bis zwei Jahre stoppen. Die Hyaluronsäure bindet das Wasser im Knorpel und unterstützt so seine Gleiteigenschaften. „Der Knorpel kann besser Wasser binden, die Entzündlichkeit geht zurück“, sagt Tusk. Sinnvoll ist die Therapie aber nur, wenn noch Knorpel vorhanden ist.
Das Gelenk erhalten Verschiedene Eingriffe können ebenfalls Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. Bei der Arthroskopie (Gelenkspiegelung) wird der Gelenkspalt über eine Kanüle gereinigt, Schäden werden beseitigt. Die umstrittene Knorpelanbohrung soll die Bildung neuen Knorpels anregen. Die Knorpelverpflanzung oder -transplantation eignet sich nur für jüngere Menschen, etwa Leistungssportler. Knorpelzellen werden im Labor gezüchtet oder aus einem gesunden Bereich entnommen und an die erkrankte Stelle verpflanzt.
Wieder mobil mit Prothese Wenn Bewegungen nur noch unter Schmerzen möglich sind, kommen immer häufiger Endoprothesen (endo = innen) zum Einsatz. Ersetzt werden vor allem Hüft- und Kniegelenke. Sowohl beim Gelenkersatz als auch bei den gelenk erhaltenden Eingriffen gilt: Je mehr schon vor der Operation, etwa in der Physiotherapie, trainiert wurde, desto besser verläuft die anschließende Rehabilitation.
Hilfe aus der Apotheke
Synthetische Mittel: Diclofenac, Ibuprofen oder Proxicam können, als Salbe oder Gel angewandt, Entzündungen hemmen. Rezeptfreie Schmerzmittel zum Einnehmen enthalten Ibuprofen, Naproxen, Acetylsalicylsäure oder Diclofenac in niedriger Dosis.
Heilpflanzen: Salben mit Beinwell oder Arnika hemmen Entzündungen und lindern Schmerzen. Das gilt auch für Mittel zum Einnehmen mit Wirkstoffen aus Teufelskralle, Weidenrinde oder Pappel und Goldrute.
Nahrungsergänzung: Kapseln mit Kollagen-Hyrdrolysat, Vitamin E, Chondroitin oder Grünlipp-Muschel sollen den Knorpel mit Nährstoffen versorgen und den Abbau hemmen.
Dem Verschleiß vorbeugen Sport in Maßen und das richtige Abnehm-Konzept beugen der Arthrose vor.
Keine Crash-Diäten Der größte Feind des Knorpels ist das Übergewicht. Je mehr Kilos die Waage anzeigt, desto mehr drücken auch auf Knie und Hüfte. Die Belastung ist hoch, der Abbau des Knorpels wird vorangetrieben. Aber machen Sie zur Entlastung keine Radikal-Diäten! Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse kombiniert mit regelmäßiger Bewegung helfen beim Abnehmen und schonen die Gelenke.
Richtig bewegen Gelenke wollen bewegt werden, das hält sie geschmeidig und verhindert den Abbau des Knorpels. Geeignet sind gleichmäßige Bewegungen wie Radfahren, Rückenschwimmen und Walking. In der Physiotherapie wird mit einfachen Übungen die Muskulatur gelockert und aufgebaut, Fehlhaltungen werden korrigiert. Von Mannschaftsund Kontaktsportarten raten Experten wegen der abrupten Richtungswechsel ab. „Viel bewegen, wenig belasten“, betont Joachim Grifka – und die Gelenke bleiben gesund.
Apotheken Umschau |
Geschrieben am 27.09.2007 um 07:20 Alle News/Infos anzeigen
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