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Serie Diabetes und Herz, Teil 4:

Risikofaktor kranke Seele
Depressionen: Immer deutlicher zeigt sich, wie wichtig die psychische Verfassung für eine erfolgreiche Diabetesbehandlung ist
Vermutlich ist so mancher Patient des Diabetes-Zentrums in Bad Oeynhausen etwas verwundert, wenn er bei der Eingangsuntersuchung Fragen zu Schlafstörungen, Stimmungen und Selbstwertgefühl beantworten soll. Was hat das alles mit der Zuckerkrankheit zu tun? Eine ganze Menge, davon ist der Internist Privatdozent Dr. Florian Lederbogen vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim überzeugt. Zusammen mit dem Leiter des Zentrums, Professor Diethelm Tschöpe, hat er den Fragebogen erarbeitet.

Warum ein Diabetesarzt auch nach Depressionen fahnden soll, ist leicht zu erklären: „Sie lassen sich durchaus mit anderen Risikofaktoren wie Rauchen oder Hochdruck vergleichen“, sagt Lederbogen, „weil sie negativ auf die Zuckerkrankheit und die Schäden in den Herzkranzgefäßen wirken.“

Auch wenn die medizinischen Zusammenhänge noch im Dunkeln liegen, ist die Verbindung nicht erstaunlich. Zum Standardwissen von Ärzten gehört, dass schwere Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für Depressionen mit sich bringen. Diabetes stellt da keine Ausnahme dar, wie die Statistik bestätigt: So leiden rund zehn Prozent aller Zuckerkranken an Depressionen – deutlich mehr als in der Durchschnittsbevölkerung. Weitere 25 Prozent haben mit depressiven Verstimmungen oder Anpassungsstörungen zu kämpfen.

Doch damit nicht genug. Auch mit Herzbeschwerden besteht ein Zusammenhang. „Depressive Menschen haben unter anderem ein doppelt so hohes Infarktrisiko wie Menschen ohne Depressionen“, erklärt Professor Michael Deuschle, kommissarischer Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim. Umgekehrt wird nach einem Herzinfarkt rund ein Viertel aller Patienten depressiv. Das hat Folgen: Ihr Risiko, schwere Komplikationen
wie Rhythmusstörungen zu erleiden, erhöht sich.

Vermutete Zusammenhänge
„Eine Hypothese geht davon aus, dass Depressionen zusätzlichen Stress für den Körper bedeuten“, erklärt Deuschle. Dadurch steigt der Spiegel des Stresshormons Kortisol an, was über Zwischenschritte den Zuckerstoffwechsel verschlechtert. Darüber hinaus macht der zusätzliche Stress das Pumporgan anfälliger für Rhythmusstörungen und aktiviert die Blutplättchen. Dies wiederum fördert die Bildung von Blutgerinnseln und erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt.

Das klingt plausibel, doch wissenschaftliche Nachweise dafür stehen noch aus. Michael Deuschle: „Studien müssen unter anderem zeigen, wie sich die zeitlichen Zusammenhänge darstellen.“ Auch Florian Lederbogen weiß um die dünne Studienlage und spricht vorsichtig von einer „zusätzlichen Stellschraube“ in der Therapie von Diabetes und Herzkrankheiten. Aber ernst genommen will er das Problem wissen: „Das Erkennen und Behandeln von Depressionen sollte die gleiche Bedeutung haben wie das Achten auf den richtigen Cholesterinwert.“

Apotheken Umschau


Geschrieben am 21.09.2007 um 07:20
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