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Hämorrhoiden:

Leiden in der Tabuzone
Viele Menschen haben Enddarm-Probleme. Doch Hilfe ist möglich. Antworten auf die wichtigsten Fragen
Sie sind ein verbreitetes Leiden. Vor allem bei Menschen mittleren Alters bereiten Hämorrhoiden häufig Beschwerden. Doch viele mögen nicht einmal mit ihrem Arzt darüber sprechen, wenn Juckreiz und Brennen am After unerträglich werden oder sie Blut- oder Stuhlspuren in der Wäsche beunruhigen. Dabei lässt sich das Problem gut behandeln – je früher, umso besser. Von alleine verschwinden die knotigen Ausbuchtungen selten. Deshalb kann der Rat nur lauten, den Arztbesuch nicht unnötig aufzuschieben.

Was sind Hämorrhoiden?
Jeder hat sie, und das ist gut so. Hämorrhoiden bilden ein gefäßreiches Polster oberhalb des Schließmuskels und gewährleisten den Feinabschluss des Afters. Erst wenn sie sich verändern und knotige Ausbuchtungen entstehen, spricht man von Hämorrhoiden als einer Krankheit.

Welche Beschwerden treten auf?
Krankhafte Veränderungen des Hämorrhoidalgeflechts stören die Feinabdichtung des Darms. Als Folge kann Darmschleim nach außen gelangen. Auf die ständige Feuchtigkeit reagiert die empfindliche Afterhaut mit Juckreiz und Brennen, im fortgeschrittenen Stadium auch mit einem chronischen Ekzem. Im späteren Verlauf kann es zu Blutungen und einem deutlichen Fremdkörpergefühl kommen.

Was fördert das Leiden?
„Schlechte Stuhlgewohnheiten“ nennt Professor Alexander Herold vom Enddarm-Zentrum Mannheim als entscheidenden Risikofaktor für Hämorrhoiden. „Die Leute sollen auf die Toilette gehen, wenn sie wirklich müssen, und dort nicht länger als höchstens fünf Minuten brauchen.“ Starkes Pressen bei chronischer Verstopfung strapaziert das Hämorrhoidalgeflecht. Ganz falsch sei es, sich mit einer Zeitung auf das Klo zu verziehen und nach dem Stuhlgang noch sitzen zu bleiben, zu drücken und zu pressen. „Das quetscht die Hämorrhoiden so richtig nach unten“, erläutert Alexander Herold.

Aber auch chronischer Durchfall überlastet den ringförmigen Gefäßschwamm. Weil der Dehnungsreiz, den fester Stuhl auf den Schließmuskel ausübt, bei Durchfall fehlt, öffnet sich der Muskel bei der Entleerung nicht ausreichend, und das Hämorrhoidalpolster wird erhöhter Reibung ausgesetzt.

Wie kann man vorbeugen?
Vorbeugend wirkt alles, was einen weichen Stuhl und die problemlose Entleerung fördert: ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung, viel Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung. Neben einer familiären Veranlagung gelten als weitere mögliche Risikofaktoren starkes Übergewicht, zu hoher Kaffee- und Alkoholgenuss sowie sehr scharf gewürztes Essen.

Wie lassen sich Beschwerden lindern?
An erster Stelle mit einer sorgfältigen Analhygiene: Weiches Toilettenpapier verwenden, mit klarem Wasser nachreinigen und anschließend trocken tupfen. Juckreiz und Brennen lassen sich mit speziellen Salben, Pasten oder Zäpfchen lindern, die wundheilend, leicht betäubend oder zusammenziehend wirken. Geeignet sind Zinksalben, eventuell mit einem geringen Kortisonanteil, Präparate mit E.-coli-Hydrolysat sowie gerbstoffhaltige Salben und Zäpfchen, etwa aus Hamamelis oder Bismutgallat. Wundheilend und entzündungshemmend wirken auch Zusätze von Kamille und Ringelblume. „Eine ursächliche Behandlung der Hämorrhoiden ist mit diesen Präparaten allerdings nicht möglich“, schränkt Herold ein. „Sie können nur die Beschwerden lindern.“

Wann zum Arzt?
Wer das Problem auf Dauer loswerden möchte, kommt um einen Arztbesuch nicht herum – am besten bei einem Proktologen, dem Facharzt für Enddarm- Erkrankungen. Dafür spricht ein weiterer Grund: „Nicht alles, was am After juckt, brennt oder schmerzt, ist eine Hämorrhoide“, sagt Dr. Arnulf Dörner, leitender Arzt am Diakonie-Krankenhaus Hamburg. Bei schmerzhaften Knoten außerhalb des Afters handele es sich oft um Thrombosen oder Blutergüsse in Hautfalten. Auch Analfissuren, die sich gut mit einer Nitrosalbe behandeln lassen, gehören zu den Ursachen. Die Afterhaut ist, im Gegensatz zur Schleimhaut des Mastdarms, sehr empfindlich. Veränderungen sollten abgeklärt werden, weil auch Darmkrebs Beschwerden wie Blutungen verursachen kann.

Welche Behandlung?
Hämorrhoiden ersten Grades kann der Arzt in der Praxis veröden. Dabei unterspritzt er sie mit einer Lösung, die sie schrumpfen lässt. Bei der Infrarot-Koagulation werden mit Infrarotlicht Entzündungsreize gesetzt, die zur Vernarbung der knotigen Ausbuchtungen führen.

Ebenfalls ambulant wird die Gummiband-Ligatur angewendet. Dazu stülpt der Proktologe über die Hämorrhoide ein winziges Gummiband. Dieses unterbindet die Blutzufuhr, und der Knoten fällt innerhalb weniger Tage ab. Das Verfahren eignet sich gut für zweitgradige Hämorrhoiden. „Weil diese Eingriffe oberhalb des Schließmuskels in einer empfindungsfreien Zone stattfinden, sind sie in der Regel schmerzfrei“, erklärt Dörner. Selten kann es nach der Behandlung zu Blutungen kommen.

Vorgefallene Hämorrhoiden müssen meist operativ entfernt werden. „Wegen der anschließenden Wund- und Schmerzbehandlung ist es ratsam, diesen Eingriff stationär in der Klinik vornehmen zu lassen“, sagt Dörner. Der Chirurg kann die krankhaft erweiterten Gefäße entweder einzeln oder bei großflächigen Ausdehnungen nach der Longo-Methode entfernen. Dazu wird in den After ein Rundklammer-Gerät eingeführt, der Stapler. Er zwickt gleichzeitig die überschüssige Schleimhaut ab und verschließt sie durch Klammern. Dadurch wird die Afterhaut nach innen gerafft und die vorgefallene Hämorrhoide nach oben gebunden.

„Neue Studienergebnisse bescheinigen der Methode allerdings eine höhere Rückfallquote als der klassischen Operation“, schränkt Dörner ein. Entscheidend bei allen operativen Verfahren ist, dass genügend Afterhaut erhalten bleibt. Diese ist sehr empfindsam und gewährt das Feingefühl für festen, flüssigen oder gasförmigen Darminhalt. Deshalb spielt sie eine wichtige Rolle für die Kontinenz. „Bei korrekt durchgeführter Operation sind schwere Komplikationen auszuschließen“, stellt Dörner klar. Sein Rat: Suchen Sie sich einen erfahrenen Facharzt.


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Geschrieben am 01.09.2007 um 07:20
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