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Gürtelrose und die Folgen:

Der Schmerz danach
Jeder dritte Patient leidet unter Dauerschmerzen. Was dagegen hilft und wie Sie vorbeugen
Der Satz klingt wie billiger Trost: „Es wird wieder vorübergehen.“ Doch für Dr. Hans Gnahn sind Auskünfte wie diese ein Stück Therapie. Nahezu täglich erlebt der Neurologe aus dem bayerischen Ebersberg Patienten, die noch Monate nach einer ausgestandenen Gürtelrose unter Beschwerden leiden: Ein bohrender, mitunter auch brennender Schmerz verharrt an der einstmals erkrankten Hautpartie. Selbst leichte Berührungen, etwa vom Unterhemd, tun häufig weh. „Die Situation ist zermürbend, und viele fallen in Hoffnungslosigkeit“, beobachtet Gnahn. Der Hinweis, dass die Pein in den meisten Fällen mit der Zeit verschwindet, kann da wieder für Lebensmut sorgen.

Trotzdem ist Geduld nötig. Etwa jeder dritte Patient über 60 hat ein halbes Jahr, nachdem die für Gürtelrose typischen Hautbläschen abgeklungen sind, mit Schmerzen zu kämpfen, rund jeder zehnte noch länger. „In Einzelfällen kann sich die Sache drei Jahre hinziehen“, weiß Prof. Dr. Frank Birklein, Spezialist für die sogenannte postherpetische Neuralgie an der Universitätsklinik Mainz.

Die Schmerzen nach einer Gürtelrose sind ein typisches Problem älterer Patienten. „Es ist ganz normal, dass die Nervenbahnen im Laufe der Jahre nicht mehr so gut funktionieren“, erklärt Birklein. „Das bedeutet aber auch, dass die Nerven nach einer akuten Entzündung länger brauchen, um sich wieder zu erholen.“ Besonders gefährdet sind Diabetiker, weil deren Nervensystem oft schon durch den Stoffwechseldefekt Schaden genommen hat.

Bloß abzuwarten, bis die Beschwerden vergehen, ist jedoch die falsche Strategie. Denn Medikamente können die Schmerzen lindern und das Leiden abkürzen. „Inzwischen hat sich eine Vielzahl von Wirkstoffen als hilfreich erwiesen“, sagt Gnahn. Die breite Auswahl ist ein Vorteil: weil vielen der betagten Betroffenen nicht jedes Präparat bekommt, aber auch, weil die Arzneien von Patient zu Patient anders anschlagen. Die wichtigsten Helfer gegen den Schmerz danach:

– Mittel gegen Depressionen hemmen die Weiterleitung des Schmerzes von der Haut zum Gehirn. Dazu genügt oft schon eine schwache Dosis.

– Medikamente gegen Krampfleiden dämpfen die Erregung in der erkrankten Nervenbahn.

– Stark wirksame Schmerzmittel, sogenannte Opiate, erhöhen unter anderem die Schmerzschwelle des Patienten. Wer die Präparate nach ärztlicher Anordnung einnimmt, braucht in der Regel keine Angst vor Abhängigkeit zu haben.

– Salben und Cremes sorgen für eine örtliche Betäubung des betroffenen Hautareals. Im Herbst 2007 soll außerdem ein Pflaster mit einem lokalen Betäubungsmittel auf den deutschen Markt kommen.

Vorbeugen lässt sich den Schmerzen, wenn eine Gürtelrose konsequent und vor allem früh behandelt wird. „Schon bei den ersten Bläschen auf der Haut sollten Sie zum Arzt gehen“, rät Birklein. Eine Kombination aus Medikamenten, die das Zoster-Virus stoppen, und Schmerzmitteln lindert nicht nur die akuten Symptome, sondern senkt offenbar auch das Risiko für die postherpetische Neuralgie.

Noch einen Schritt früher setzt die Impfung gegen Gürtelrose an, die in den USA bereits verfügbar ist und demnächst auch in Deutschland erhältlich sein soll. Eine große Studie zeigte, dass Geimpfte deutlich seltener an Gürtelrose erkranken – und wenn es ihnen trotzdem passiert, haben sie zumindest bessere Chancen, der postherpetischen Neuralgie zu entgehen. Für einen Basis-Impfschutz kann aber auch jeder Ältere selbst sorgen. Birklein: „Spielen Sie ausgiebig mit Ihren Enkeln. Der Kontakt mit den Windpockenerregern der Kinder stimuliert die Immunabwehr.“


Senioren Ratgeber


Geschrieben am 22.08.2007 um 07:20
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