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Dicke Luft im Büro Gefährden Drucker und Kopierer die Gesundheit von Schreibtischarbeitern? Der Verdacht bleibt vorerst ungeklärt Es begann ganz banal. Ein bisschen Niesen, leichte Halsschmerzen, Schnupfen. Doch damit fing Hans-Joachim Steltings Leidensweg erst an. Es folgten Husten, Kieferhöhlenentzündung und Bronchitis. Besuch beim Dienstarzt, HNO-Spezialist, Lungenfacharzt. Dort der Schock: Beginnendes Asthma lautete die Diagnose. Zwei Jahre später war für den zuvor „ausgesucht gesunden“ Mittdreißiger an ein Leben ohne Medikamente und Notfallsprays nicht mehr zu denken. „Schon beim Strandspaziergang auf Sylt litt ich unter Atemnot“, erinnert sich Stelting.
Sieben Jahre später, im Jahr 1997, wurde der Kriminalbeamte aus Hamburg pensionert – 43-jährig, berufskrank und schwer lungengeschädigt. Ursache, da war sich der ärztliche Gutachter gewiss: Tonerpulver, wie es in Kopierern, Laserdruckern und -faxgeräten verwendet wird.
Stelting gründete die „Interessengemeinschaft Tonergeschädigter“ und sammelt seither Meldungen von Menschen, denen es ähnlich geht wie ihm. Mehr als 1500 Fälle umfasst die Datenbank. Unter der Rubrik Symptome steht immer wieder dasselbe: Entzündungen der Bindehaut, der Atemwege, der Haut; Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Müdigkeit.
Unklare Datenlage Für Toxikologen ist die Schuldfrage bei derlei Beschwerden jedoch längst nicht geklärt. Zwar haben Forscher in Dutzenden von Studien die Effekte von Toner auf Zellen, Versuchstiere und in einzelnen Tests auf Menschen untersucht. Doch „die vorliegenden Daten ergeben kein eindeutiges Bild“, urteilt Dr. Richard Gminski vom Institut für Innenraum- und Umwelttoxikologie der Universität Gießen. Gminskis Institut stellte kürzlich die ersten Ergebnisse einer Pilotstudie vor, die etwas mehr Klarheit schaffen sollte. Im Auftrag des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hatten die Forscher in 63 Büros Schadstoffe gemessen, die beim Betrieb von Laserdruckern frei wurden. Zudem befragten und untersuchten sie 69 Büroangestellte, die über die einschlägigen Beschwerden klagten.
Zur Untersuchung zählten auch Persönlichkeitstests. Sie sollten klären, ob Betroffene ähnlich wie andere Patientengruppen dazu neigten, unerklärliche Leiden zwanghaft auf Umwelteinflüsse zu schieben. Lauter „Ökochonder“ also?
„Das kann ich auf keinen Fall bestätigen“, antwortet Professorin Caroline Herr vom Gießener Institut für Hygiene und Umweltmedizin, die den medizinischen Teil der Untersuchungen geleitet hatte. „Das sind nicht die typischen Umweltpatienten“, sagt die Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin. „Die Leute haben ein echtes Gesundheitsproblem am Arbeitsplatz, das einige eben auf den Toner zurückführen.“
Beim Drucken werden eine ganze Reihe von Giften freigesetzt – je nach Gerät und dessen Wartungszustand mal mehr, mal weniger. Ob die Abluft als ungesund eingeschätzt wird, hängt auch von den Grenzwerten ab, die als Maßstab dienen. Bis auf wenige Ausreißer unterboten die von den Forschern gemessenen Schadstoffe die „maximalen Arbeitsplatzkonzentrationen“ (MAK-Werte) deutlich.
Dienen jedoch die Richtwerte für Innenraumluft als Messlatte, die eine Kommission des Umweltbundesamts und der Landesgesundheitsämter erstellt, „dann rücken wir näher an die Grenzen ran“, berichtet Richard Gminski. Die für ihn auffälligste Beobachtung: Während des Druckens werden sehr viele Partikel in der Größe von Viren freigesetzt.
Größere Untersuchung nötig Ob sie die Beschwerden „Tonergeschädigter“ erklären, ist jedoch unklar. „Das können wir weder bestätigen noch ausschließen“, meint Caroline Herr. „Es könnten auch andere Ausdünstungen in der Büroluft, Luftströmungen oder Schwankungen von Luftfeuchtigkeit und Temperatur verantwortlich sein.“ Sie tippe auf eine Kombination von Faktoren, sagt die Expertin, „aber klären kann das nur eine größere Studie“. Mindestens 2000 Teilnehmer wären dabei für ein statistisch zuverlässiges Ergebnis erforderlich.
Ob überhaupt und woher Geld für eine solche Untersuchung kommen könnte, soll nun ein Gespräch zwischen Umwelt- und Arbeitsministerium klären. Dass darum noch gerungen wird, empört Hans-Joachim Stelting. Hier immerhin sind sich der ehemalige Kriminalbeamte und die Wissenschaftler einig: Es gilt, einen Verdacht zu klären – selbst wenn dieser sich in Luft auflösen sollte.
So können Sie sich schützen Ob Schadstoffe aus Laserdruckern und Kopiergeräten die Gesundheit gefährden, ist weder bewiesen noch widerlegt. Tipps für alle, die sich vorsorglich schützen möchten:
Wo dies möglich ist, die Geräte in einem separaten Raum oder einem gut durchlüfteten Flur aufstellen.
Lassen Sie die Geräte regelmäßig warten und reinigen.
Drucker im Büro möglichst weit entfernt vom Sitzplatz aufstellen, Lüfter aber nicht in Ihre Richtung.
Verwenden Sie staubarmes Papier.
Legen Sie größere Druckaufträge in eine Zeit, in der Sie nicht im Büro sind (etwa in der Mittagspause).
Lüften Sie das Büro spätestens alle zwei Stunden gründlich.
Beim Kopieren immer den Deckel geschlossen halten, denn „Trauerränder“ auf dem Papier erhöhen auch den Schadstoffausstoß. Von Tintenstrahldruckern geht nach derzeitigem Erkenntnisstand keine Gesundheitsgefahr aus.
Apotheken Umschau |
Geschrieben am 20.08.2007 um 07:20 Alle News/Infos anzeigen
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