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Winzige Helfer Muttermilch versorgt Babys optimal. Probiotika und Präbiotika wollen diese positiven Effekte nachahmen. Was können die Zusatzstoffe wirklich? Gesundheitsbewusste Eltern kennen sie, die Bakterien und Ballaststoffe, die in vielen Milchprodukten und manchmal auch in Babynahrung stecken: pro- und präbiotische Zusätze. Was unterscheidet die beiden? Und was bewirken sie? Zehn Fragen, zehn Antworten:
1. Was sind Pro- und was Präbiotika? Probiotische Lebensmittel enthalten Milchsäurebakterien, meist aus den Gattungen Lactobacillus und Bifidobacterium. Sie sind gut für die Darmflora. Ist diese intakt, kann der Körper Krankheitserreger besser abwehren. Um das Wachstum der Bakterien im Darm zu fördern, mischen manche Hersteller Präbiotika in die Nahrung. Das sind Ballaststoffe wie Oligofruktose und Inulin. Diese schaffen günstige Lebensbedingungen für die Bifidobakterien.
2. Stecken in herkömmlichen Joghurts nicht genug Milchsäurebakterien? Alle Sauermilchprodukte enthalten Bakterien, die unsere Gesundheit auf vielfältige Weise fördern. „Schützende Milchsäurebakterien aufzunehmen ist jedoch schwierig, weil Magensäure viele von ihnen abtötet“, erklärt Isabelle Keller, Diplom-Ökotrophologin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn. „Deshalb wurden Bifido- und Laktobazillenstämme ausgesucht, die die Reise durch den Magen überstehen und sich im Darm ansiedeln.“ Dennoch: Die Bakterien überleben im Darm oft nur wenige Tage. Daher sollten Sie täglich den gleichen Bakterienstamm löffeln.
3. Gibt es Unterschiede bei probiotischer Nahrung? Ja. Die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Probiotika unterscheiden sich je nach Bakterienstamm. Während manche Kulturen Dauer und Schwere von Magen-Darm-Infektionen mildern, fördern andere die Immunabwehr.
4. Was muss man beim Einkauf beachten? „Prüfen Sie, ob auf der Verpackung ein Bakterienstamm angegeben ist“, empfiehlt Professor Dr. med. Jürgen Schrezenmeir von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Kiel, der seit Jahren über Milchsäurebakterien in der Nahrung forscht. „Ist keiner genannt, sollten Sie skeptisch sein.“ Das gilt auch für Produkte, die verschiedene Stämme ausloben, aber keine Studien über deren gemeinsame Wirkung vorweisen.
5. Schützen Probiotika vor Schnupfen & Co.? „Probiotische Bakterien scheinen Erkältungen vorzubeugen“, sagt Schrezenmeir. Der Forscher hat in einer Studie den Verlauf von Erkältungen bei Erwachsenen untersucht, die regelmäßig ein probiotisches Präparat zu sich nahmen. Ergebnis: Schnupfen und Husten traten genauso häufig auf, aber die Erkältungen waren nicht so heftig, und sie verschwanden schneller wieder. Die Probanden waren knapp zwei Tage kürzer krank. Finnische Untersuchungen ergaben, dass Kinder, die sieben Monate eine probiotische Milch erhielten, seltener an Infekten erkrankten.
6. Welche Nahrung sollten Säuglinge am besten bekommen? Ganz klar: Muttermilch. Der Darm eines Babys ist bei der Geburt keimfrei. Danach siedeln sich verschiedene Bakterienarten an. Wenn Sie Ihr Kind stillen, dominieren früh die guten Bifidusbakterien. Denn Muttermilch enthält natürliche Präbiotika, vor allem Oligosaccharide, die Milchsäurebakterien als Futter dienen. Die günstige Darmflora bewirkt, dass Stillbabys besser vor Infektionen geschützt sind.
7. Und was ist mit Kindern, die nicht gestillt werden? Eine Alternative kann präbiotische Milch sein. Nach dem Vorbild der Muttermilch sind ihr Oligosaccharide zugesetzt, die für ein gutes Darmmilieu sorgen. Probiotische Anfangs- oder Folgemilch hat die gleiche Wirkung.
8. Leiden Flaschenkinder weniger an Blähungen und Bauchweh, wenn sie pro- oder präbiotische Fertigmilch trinken? Hier ist die Datenlage noch dürftig. Belegt ist, dass gesunde Erwachsene weniger Magen-Darm-Beschwerden haben, wenn sie regelmäßig probiotische Produkte essen. Kolikbabys sollten die bewährte Spezialnahrung bei Bauchweh erhalten – aber nur nach Rücksprache mit dem Arzt!
9. Können die winzigen Helfer Allergien vorbeugen? Ja. Manche Hersteller von Babynahrung setzen deshalb hypoallergenen Milchnahrungen – das sind Spezialnahrungen für allergiegefährdete Babys – Probiotika oder Präbiotika zu. „Diese können die Immunantwort in eine günstige Richtung verschieben und beispielsweise das Risiko, an Neurodermitis zu erkranken, reduzieren oder die Beschwerden abschwächen, wie Studien zeigen“, erklärt Isabelle Keller.
10. Helfen Pro- und Präbiotika auch gegen Durchfall bei Kindern? Ja. Es ist bewiesen, dass bestimmte Pro- und Präbiotika Schwere und Häufigkeit von Durchfallerkrankungen reduzieren. Führt etwa eine Antibiotikabehandlung zu Durchfall, können Probiotikpräparate aus der Apotheke die Darmflora sanieren. Diese Produkte haben rein therapeutischen Nutzen und enthalten erheblich mehr Keime als angereicherte Lebensmittel. Fragen Sie den Kinderarzt, welches Produkt sich am besten für Ihr Kleines eignet.
Die Experten:
Isabelle Keller ist Diplom-Ökotrophologin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn
Prof. Dr. med. Jürgen Schrezenmeir ist Institutsleiter an der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Kiel
Baby und Familie |
Geschrieben am 03.08.2007 um 11:35 Alle News/Infos anzeigen
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