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Biofilme:

Gefährliche Gesellschaft
Forscher untersuchen, wie sich Erreger ausbreiten und schützen
Professor Andreas Peschel hat einen Gegner, den er mitunter sogar bewundert: „Der wächst auf nacktem Plastik oder Metall, und wir verstehen nicht, wie er dort Haftung findet“, wundert sich der Leiter der Forschungssektion für molekulare Mikrobiologie der Universität Tübingen. Peschel spricht von Staphylococcus epidermidis. Nie gehört? Kontakt mit ihm hat jeder.
 
Die Bakterien leben auf der Haut, und normalerweise bereiten sie keine Probleme. Vor gut 30 Jahren aber begann sich das zu ändern, als die Medizin dem menschlichen Organismus neue Kontaktflächen bescherte, wie Dauerkatheter oder künstliche Gelenke. „Das Immunsystem ist nicht daran gewöhnt, die künstlichen Oberflächen frei von Erregern zu halten“, erläutert Peschel.
 
Oft müssen Ärzte Katheter oder Implantate wieder ausbauen, die mit einem schmierigen Rasen von Bakterien überzogen sind, einem sogenannten Biofilm. Häufige Bewohner solcher Bakterienansammlungen sind Staphylokokken. Alleine sind diese Bakterien harmlos. Aber wehe, wenn sie sich mit ihresgleichen zusammentun. Peschel: „Gegen einen solchen Biofilm ist das Immunsystem oft machtlos – und Antibiotika sind es ebenfalls.“
 
Auch Erreger wie Enterokokken oder Pseudomonaden organisieren sich auf diese Weise. Was ein Biofilm ist, weiß jeder, der sich einen Tag lang nicht die Zähne putzt: Deutlich ist der Bakterienrasen dann als Zahnbelag zu spüren und zu sehen. Wie er entsteht, ist heute in Grundzügen verstanden: Haften die Bakterien auf einer Unterlage, vermehren sie sich und produzieren einen fädigen Schleim, mit dem sie sich umhüllen. Er stellt den Hauptgrund dafür dar, dass Antibiotika gegen Biofilme oft machtlos bleiben – die Substanzen dringen nicht durch.
 
Biofilme enthalten obendrein neben den aktiven Erregern auch ruhende Bakterien, die kaum von Antibiotika erwischt werden. Seit Jahren arbeiten Forschungsgruppen deshalb an Methoden, solche Filme zu bekämpfen. Dr. Timo Birkenstock aus dem Peschel-Team untersucht, ob mit Wismut beschichtete Katheter vor Bakterienanlagerung geschützt sind. Dr. Frank Rupp von der Universitäts-Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik in Tübingen möchte Zahnimplantate verbessern. „Jene Stelle, an der ein Implantat den Kieferknochen verlässt, ist besonders durch Biofilme gefährdet“, weiß der Biologe. Helfen soll dort ein Überzug aus Titandioxid. Die Bestrahlung mit UV-Licht setzt aus diesem Material äußerst reaktionsfähige Moleküle frei, die Biofilme zerstören könnten.
 
Eine wichtige Frage ist, mit welchen Bestandteilen der Zellwand die Erreger an Oberflächen haften. Ziel ist es, solche Strukturen mit Medikamenten zu blockieren. Nutzen lässt sich vielleicht auch die bakterieneigene Kommunikation – Botenstoffe etwa, die bewirken, dass sich Bakterien aus einem Biofilm wieder lösen. Vor Kurzem gelang es Forschern der Universität Iowa (USA), Biofilme mit diesen Botenstoffen aufzulösen. Im Alltag bleibt es vorerst aber bei Verhaltensregeln: Pingelig die Zähne putzen und Zahnseide benutzen! Und: Wenn Ärzte Katheter und Implantate einbringen, ist größte Hygiene geboten.
 
15.12.08, Apotheken Umschau, Bildnachweis: PhotoDisc/RYF

 


Geschrieben am 15.12.2008 um 07:20
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