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Serie Hydrotherapie, Teil 2:

Gewinn an Lebensqualität
„Studien, die einzelne Effekte untersuchen, etwa die Wirkung von Kneippgüssen bei Kniegelenkarthrose, gibt es viele“, erklärt Leuchtgens. „Schwieriger ist es, die Gesamtwirkung zu belegen.“
In den Neunzigerjahren hatte Leuchtgens mit Kollegen die Auswirkungen der Kneipp-Kur auf Lebensqualität und Medikamentenverbrauch an 363 Patienten untersucht. „Eine drei- bis vierwöchige Kur“, sagt der Mediziner, „verringerte im Verlauf der einjährigen Nachbeobachtung die Schmerzen, besserte die Gesamtbefindlichkeit und senkte den Medikamentenverbrauch sowie die Zahl der Krankheitstage.“

Doch auch ohne wissenschaftliche Belege hat die Hydrotherapie bei Schulmedizinern einen guten Stand: Kaum einer bezweifelt ihren gesundheitlichen Nutzen. Und da es nur wenige grundsätzliche Risiken gibt, setzen Ärzte Wasseranwendungen oft ergänzend zu schulmedizinischen Methoden ein. „Außer bestimmten Hautkrankheiten gibt es keine generellen Gegenanzeigen“, sagt Sabine Wilke. „Patienten mit Herzproblemen, Bluthochdruck oder Gefäßerkrankungen sollten jedoch vorher den Arzt zu Rate ziehen und schonende, lokale Anwendungsformen wählen.“

Auch medizinische Laien können Wasseranwendungen in der Regel bedenkenlos durchführen. Wirkungsvoller als Wassertreten in der heimischen Badewanne ist aber eine mehrwöchige Kur fernab der Hektik des Alltags. „Kuren stärken die Gesundheitskompetenz“, erklärt Leuchtgens. „Der Patient lernt, was ihm guttut, und kann die Anwendungen zu Hause fortsetzen.“ Was ohnehin die meisten Menschen praktizieren: „Auch ein warmes Vollbad“, sagt Wilke, „ist eine Form der Hydrotherapie.“

Die Vielfalt der Wasseranwendungen

Abreibungen:
Um die Durchblutung anzuregen, wird ein feuchtes Tuch aufgelegt und der Körper abgerieben.

Bäder:
Man unterscheidet Voll- und Teilbäder, bei denen nur die Arme oder Beine kaltem oder heißem Wasser ausgesetzt werden. Bei nervösen Herzbeschwerden und Bluthochdruck haben sich zum Beispiel kalte, bei rheumatischen Beschwerden und schlechter Durchblutung körperwarme bis heiße Armbäder bewährt. Bei Bürstenbädern wird der Patient im Wasser massiert, im so – genannten Stangerbad durchströmt ein schwacher Gleichstrom die Wanne. Der sanfte Stromreiz wirkt durchblutungsfördernd und schmerzlindernd.

Bewegungsbäder:
Bei Bewegungseinschränkungen und Gelenkversteifungen hilft Gymnastik im warmen Wasser, die sich auch in Kombination mit Druckstrahlmassagen unter Wasser durchführen lässt.

Kneipp’sche Güsse:
Mit geringem Druck zielt ein Wasserstrahl auf Arme, Beine, Rücken, Gesicht oder den ganzen Körper des stehenden Patienten.

Druckstrahlgüsse oder Blitzgüsse:
Mit mittlerem oder starkem Druck (bis 3 Bar) wird ein kalter Wasserstrahl auf den Körper gerichtet.

Dampfbäder:
Die Patienten werden heißem Wasserdampf ausgesetzt, der mit Kräuterextrakten versetzt sein kann. Beliebt sind zum Beispiel das römisch-irische und das türkische Dampfbad (Hamam).

Wassertreten:
Die Patienten durchwaten ein Becken mit etwa kniehohem, kaltem Wasser.

Wickel und Packungen:
Ein feuchtes Innentuch, das einzelne Körperstellen oder einen Großteil der Körperoberfläche bedeckt, wird mit einem trockenen Außentuch umwickelt.

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Geschrieben am 23.10.2007 um 07:20
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