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Entwicklung:

Herbstkinder leben länger
Der Zeitpunkt der Geburt kann die Gesundheit dauerhaft beeinflussen
Jeder Astrologe beantwortet die Frage uneingeschränkt mit Ja: Natürlich habe der Zeitpunkt der Geburt eine entscheidende Bedeutung für den späteren Lebensweg. Doch man muss nicht an die Macht der Sterne glauben, um dem Geburtsmonat eine Rolle für die Gesundheit zuzuschreiben. Auch einige seriöse Wissenschaftler tun dies. Sie bescheinigen Herbstgeborenen eine überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung. Auch bei verschiedenen psychischen Leiden, Defekten des Immunsystems und Herzkrankheiten sehen sie entsprechende Zusammenhänge.

Menschen, die ihren 100. Geburtstag feiern können, sind häufiger in den Herbstmonaten geboren als im Frühjahr. Das entdeckte Gabriele Doblhammer-Reiter, Professorin für empirische Sozialforschung und Demografie an der Universität Rostock. Sie wertete gemeinsam mit ihrem Kollegen James Vaupel vom benachbarten Max-Planck-Institut für demografische Forschung die Daten von zwei Millionen Dänen und Österreichern aus, die vor 1918 geboren wurden. Menschen, die in den Monaten Oktober, November oder Dezember zur Welt kamen, lebten im Durchschnitt länger als Frühjahrsgeborene. Der Unterschied betrug knapp ein halbes Jahr in Dänemark und ein drei viertel Jahr in Österreich.

Bestätigt wird der jahreszeitliche Einfluss durch Daten aus Australien. Dort zeigen sich die gleichen Zusammenhänge, allerdings genau umgekehrt. Auf der südlichen Erdhalbkugel werden die Menschen besonders alt, die zwischen April und Juni Geburtstag feiern – den australischen Herbstmonaten.

Theorien:
Forscher entwickeln die unterschiedlichsten Theorien über den Einfluß des Geburtsmonats.

Geringe Einflüsse für den Einzelnen
Sind die Maienkinder also geborene Pechvögel? Keineswegs, stellt Doblhammer-Reiter klar. Denn für den Einzelnen bleiben diese Auswirkungen des Geburtstermins zu gering, als dass sie merklich über das Schicksal entscheiden könnten. Für die Wissenschaftler sind die Daten jedoch sehr aufschlussreich: „Wir können daraus schließen, dass die Bedingungen am Anfang des Lebens und zum Teil schon während der Schwangerschaft der Mutter langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit und Sterblichkeit im Alter haben“, sagt Doblhammer-Reiter. Der Geburtstermin gibt Hinweise auf mögliche Einflüsse, die sonst nicht deutlich würden.

Eine Rolle können verschiedene Faktoren spielen, die jahreszeitlich schwanken. „Ernährung und Infektionen“, nennt Doblhammer-Reiter als entscheidende Größen. So treten bestimmte Bakterien und Viren im Lauf eines Jahres unterschiedlich häufig auf, etwa Erkältungs- und Grippeviren vermehrt in den Herbst- und Wintermonaten. Solche Einflüsse spielen zum Beispiel bei der multiplen Sklerose eine Rolle. Das zeigte eine große Studie, die das Fachmagazin British Medical Journal veröffentlichte. Bei dem Leiden greifen körpereigene Abwehrzellen die Isolierschicht von Nervenzellen an. Wissenschaftler der Universität Oxford erhoben die Daten des Geburtsmonats und die Krankheitsgeschichte von 40 000 schottischen und kanadischen Patienten. Als Kontrollgruppe dienten gesunde Geschwister und nicht erkrankte Menschen aus der Bevölkerung.

Vitaminmangel als Ursache?
Die Studie belegt eine verglichen mit dem Durchschnitt um zehn Prozent höhere Erkrankungsrate für Mai-Geborene und eine um zehn Prozent niedrigere für November-Geborene. „Die Risikofaktoren, welche die Unterschiede in Bezug auf den Geburtsmonat ausmachen, müssen jahreszeitlich schwanken und vermutlich die Entwicklung des zentralen Nervensystems oder des Immunsystems beeinflussen“, folgert der Studienautor George Ebers aus den Ergebnissen.

Einige Forscher sehen die Versorgung mit Folsäure als einen solchen Faktor. Das Vitamin wird vor allem mit grünem Blattgemüse aufgenommen, das während der Sommermonate öfter auf dem Speiseplan steht als während der kalten Jahreszeit. Andere Wissenschaftler vermuten einen Mangel an Vitamin D. Dieses wird unter dem Einfluss von Sonnenstrahlung in der Haut erzeugt. Auf der nördlichen Erdhalbkugel reicht die UV-Strahlung während der Wintermonate für eine ausreichende Vitamin-D-Bildung nicht aus. Der Körper muss dann auf seine Speicher zurückgreifen, die er in den sonnigen Sommermonaten angelegt hat. Während einer Schwangerschaft können diese Vorräte knapp werden.

Noch keine endgültigen Beweise
Beweise für all diese Theorien stehen noch aus. Dass nicht ein einziger Faktor die jahreszeitlichen Effekte auslöst, zeigt die Tatsache, dass sich die Geburtenverteilung bei verschiedenen Krankheiten unterscheidet. So leiden etwa Herbstgeborene häufiger unter Angststörungen. Auch hier, wie bei anderen psychischen Erkrankungen (siehe unten), schenken Forscher dem Sonnenlicht große Aufmerksamkeit – vor allem der UV-Strahlung, möglicherweise aber auch der Helligkeit. Licht lenkt die Ausschüttung von Melatonin, das den Schlaf-wach-Rhythmus regelt. Eine weitere Rolle könnten warme Temperaturen zum Zeitpunkt der Empfängnis spielen, die Embryos bessere Überlebenschancen bieten.

Für die Wissenschaftler sind noch viele Fragen offen. Die Antworten stehen sicher nicht in den Sternen. Doch es weist einiges darauf hin, dass der Einfluss der Sonne auf das menschliche Leben noch größer ist als bisher bekannt.

Statistik:
Auch bei psychischen Leiden gibt es Häufungen im Zusammenhang mit dem Geburtsmonat.

Störanfällige Psyche

Schizophrenie: Februar-, März- und April-Geborene tragen ein um fünf bis zehn Prozent erhöhtes Risiko gegenüber Menschen der übrigen Geburtsmonate.

Selbsttötung: Eine englische Studie zeigt eine um 17 Prozent erhöhte Rate bei Menschen, deren Geburtstag im April, Mai oder Juni liegt.

Panik-Attacken: Herbstgeborene (im September, Oktober oder November) zeigen ein acht Prozent höheres Risiko.


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Geschrieben am 06.10.2007 um 07:20
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