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Kneipp-Therapie:

Kalte Dusche für die Venen
So werden müde Gefäße wieder munter
Was haben schöne Beine mit einem Pfarrer zu tun? Überraschend viel, denn bei dem Geistlichen handelt es sich um Sebastian Kneipp, der das Wassertreten erfunden hat. Der Storchengang im kalten Wasser gehört in der Tat zu mehr als 100 Wasseranwendungen, die als Kneipp’sche Hydro- und Balneotherapie aus Kurorten nicht mehr wegzudenken sind und es bis in das heimische Badezimmer geschafft haben.

Der Pfarrer war Mitte des 19. Jahrhunderts an Tuberkulose erkrankt und kurierte sich mit eiskalten Bädern in der Donau. Der „Wasserdoktor“ entwickelte daraufhin sein ganzheitliches, auf fünf Säulen stehendes Gesundheitskonzept:

Ernährung, Heilpflanzen, Bewegung, Ordnung in der Lebensführung und vor allem das Heilmittel Wasser. Wer nach einer langen Wanderung seine müden Beine in das kühle Nass taucht, spürt den Gefäßeffekt deutlich: Wasseranwendungen trainieren die Venen und helfen gegen schwere Beine.

Die ersten Signale, die auf eine Venenschwäche hinweisen, sind Besenreiser, fein verästelte Adernnetze oder Schwellungen am Bein. Noch stören sie vor allem das Auge, können sich aber bald zu einem ernsten Problem ausweiten. Kommen Schmerzen oder ein Schweregefühl hinzu, ist der Besuch beim Venenspezialisten unumgänglich. Jede zweite Frau, jeder vierte Mann über 40 leidet in Deutschland bereits unter Krampfadern. Unbehandelt drohen schlimmere Folgen wie Entzündungen oder tiefe Beinvenenthrombosen.

Kampf gegen die Schwerkraft
In erster Linie entscheidet die erbliche Veranlagung darüber, ob unsere Venenwände auf Dauer dem Druck im Gefäßsystem standhalten oder irgendwann nachgeben und ausleiern.

Wenn Bindegewebsschwache überdies viel sitzen und stehen, ein paar Pfunde zu viel mit sich herumschleppen und zudem rauchen, drücken an einem warmen Sommerabend die Schuhe ganz besonders. Spätestens jetzt sollten sich die Betroffenen um die Gesundheit ihrer Venen kümmern. Warum auch kaltes Wasser hilft, hat mit ein paar Eigenheiten dieser Gefäße zu tun.

Venen leisten Schwerstarbeit. Blut, das vom Herzen über Arterien in alle Körperregionen transportiert wird, pumpen die Venen zurück zum Herzen. Um dabei die Schwerkraft zu überwinden, wirken mehrere Mechanismen zusammen: Muskelpumpen, die das venöse Gefäß bei jeder Bewegung, die wir machen, zusammendrücken. Auch Venenklappen unterstützen die Transportarbeit: Offene Klappen lassen das venöse Blut herzwärts fließen, bei Rückfluss machen sie dicht.

Genau das tun sie aber nicht mehr, wenn die Venenwände zunehmend ausbeulen – das Blut versackt, der Rückstau wird größer. In der Folge tritt Flüssigkeit aus den schlappen Gefäßen in das umliegende Gewebe. Ödeme entstehen. Nach außen zeigen sich Besenreiser und Krampfadern. Entscheidend beim Venentraining mit dem Schlauch oder in der Wanne ist die Wassertemperatur. Das wusste schon Sebastian Kneipp.

12 bis maximal 18 Grad sollte das Wasser haben, um seine Wirkung etwa beim Storchengang voll zu entfalten. Der Kältereiz zieht die Blutgefäße zusammen. Das trainiert die Gefäßmuskulatur und stärkt die Venenwand; die Bewegung wiederum fördert die Muskelpumpe und löst allmählich den Blutstau. Das Wasser sollte etwa drei Viertel der Wade umfließen. Bei jedem Schritt heben Sie einen Fuß komplett aus dem Wasser. Marschierzeit: 15 bis 30 Sekunden.

Kalter Knieguss – so machen Sie es richtig
Einfacher lässt sich ein kalter Knieguss durchführen, indem Sie den Duschkopf abschrauben oder ein Kneipp-Gießrohr benutzen.

Wie gut das den Venen tut, bestätigt auch Dr. Robert M. Bachmann, Kurarzt und Kneippexperte in Bad Wörishofen: „Nach einem Knieguss kann der Kälte- und Spannungseffekt auf die Venen bis zu acht Stunden anhalten.“ Wichtig ist, dass Sie sich bei allen Kaltwasseranwendungen vorher behaglich fühlen.

Wenn Sie fertig sind, trocknen Sie sich nicht ab, sondern streifen nur das Wasser mit der Hand von der Haut. „Die dabei entstehende Verdunstungskälte“, erklärt Petra Zellmer, Bademeisterin und Physiotherapeutin aus Bad Wörishofen, „verstärkt den Durchblutungseffekt. Danach sollten Sie sich gleich anziehen und bewegen, um die Wiedererwärmung zu gewährleisten.“

Erstens:
Rechts am Fußrücken beginnen.
Der Wasserstrahl sollte das Bein weich umfließen.

Zweitens:
Dann bewegen Sie den Strahl an der Beinaußenseite bis hoch zum Knie.

Drittens:
Vom Knie an der Innenseite wieder abwärts. Am linken Bein wiederholen.

Weitere Tipps für gesunde Venen
Trainieren, entlasten, entstauen:

Dass Heilpflanzen wie Rotes Weinlaub, Rosskastanie, Mäusedorn,Buchweizen oder Steinklee schwache Venen stärken, war Kneipp ebenfalls bekannt. Ihre Extrakte gibt es, teils zum Einnehmen, teils zum Einreiben, in der Apotheke. Dort finden Sie auch Stützstrümpfe, die den Venen mehr Halt geben.

Wer beim Radfahren oder Walken seine Wadenmuskelpumpen betätigt, folgt ebenfalls den Empfehlungen des Allgäuer Geistlichen, zu dessen Gesundheitskonzept auch regelmäßige Bewegung zählt. Dann können Sie getrost die Beine hochlegen.


Senioren Ratgeber


Geschrieben am 03.10.2007 um 07:20
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