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Ernährung:

Gelernter Genuss
Alle Babys lieben Süßes. Doch wie wir uns später ernähren, hängt von den erlernten Essgewohnheiten ab
Der eine mag deftige Eintöpfe, der andere Salate oder Fast Food. Woher kommen unsere Essvorlieben? Liegen sie in den Genen? Nein! Zwar hat sich die Lust auf Süßes in unser Erbgut eingebrannt, schließlich war süßer Geschmack für unsere Vorfahren ein Zeichen, dass Früchte ungiftig sind. Doch was wir gerne essen, hängt von der Esskultur ab, mit der wir aufwachsen.

Die ersten Lebensjahre prägen die Essgewohnheiten am stärksten. Fast-Food-Ketten nutzen das aus. Sie ködern Kinder mit Spielzeug und gewinnen so neue Burgerkonsumenten, die ihnen ein Leben lang treu bleiben. Umso wichtiger: das Vorbild der Eltern. Sie können ihre Kinder früh auf den Geschmack von Obst und Gemüse bringen. Das funktioniert nachweislich. Achten Papa und Mama auf ausgewogene Kost, ernährt sich der Nachwuchs später vielfältiger.

Die Geschmacksvorlieben ihrer Babys können Mütter sogar schon während der Schwangerschaft beeinflussen. Das fanden französische Forscher heraus. Sie ließen Schwangere regelmäßig Karottensaft trinken. Prompt zeigten deren Kinder eine größere Vorliebe für Möhrenbrei als die Babys der Mütter, die sich ohne Karottensaft ernährt hatten. Gesunde Kost hin oder her – gibt es nicht auch eine Anlage zum Dickwerden? Schließlich bleiben manche Knirpse trotz Fast Food schlank, während andere zunehmen.

Wissenschaftler der Universität Jena gingen diesem Phänomen nach. Sie manipulierten das Erbgut von Mäusen so, dass die Energieumwandlung gestört war. Die Nager hätten kugelrund werden müssen. Doch nur die Mäuse, die viel Ungesundes, Kalorienreiches futterten, wurden dick. Das bedeutet: Dicksein ist keine Festlegung der Gene, entscheidend ist vielmehr, was wir essen.

Übergewicht wird manchen Kindern dennoch in die Wiege gelegt. Dies kann passieren, wenn werdende Mütter an einem unentdeckten Schwangerschaftsdiabetes leiden: Die Bauchspeicheldrüse produziert nicht genügend Insulin, um Frau und Baby zu versorgen. Der Blutzuckerspiegel steigt. Die Folge ist, dass das Kind zu viel Energie erhält und stark zunimmt. Später leidet es oft unter Heißhunger und Übergewicht. „Doch selbst diese Störung ist nicht erblich bedingt, sondern im Mutterleib erlernt“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin und Diabetes-Expertin Sieglinde Kratz aus Kassel. Das ist die gute Nachricht: Denn wenn unser Essverhalten erlernt ist, können wir es ein Leben lang verändern. Am besten schon heute – mit Gemüse statt Pommes.

Baby und Familie


Geschrieben am 02.10.2007 um 07:20
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