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Aktivurlaub: Lust auf Neuland

In den Ferien ist der Mensch ein anderer. Bester Zeitpunkt, um eine neue Sportart auszuprobieren Alles blickt auf den Balmer See. Gerdi Buchhold hatte den „Spaziergang des weißen Kranichs“ angekündigt. Allerdings stolziert der Vogel nicht draußen vorm Panoramafenster am Usedomer Achterwasser, sondern drinnen im Wellness-Pavillon des Golf-Hotels. Gerdi Buchhold gibt den Takt vor: linkes Bein anheben, einatmen, die Arme zur Seite wie Flügel öffnen, dann ausatmen, Flügel runter, anderes Bein hoch. Der Kranich ist eine der leichtesten Übungen in dieser „Entspannungswoche“. In sieben Tagen will Trainerin Buchhold Ostseeurlauber für zwei chinesische Künste gewinnen: das Schattenboxen Tai-Chi und die Heilgymnastik Qigong. „Loslassen lernen in Aktion, das ist die Essenz“, erklärt die 51-Jährige, die sich in China ausbilden ließ. Ihr Wissen gibt sie in verschiedenen Kursen weiter, zum Beispiel für Frauen in den Wechseljahren oder in der „Vitalwoche“, wo man vom „Laufen für Anfänger“ bis zum Schattenboxen in fünf verschiedene Bewegungsarten reinschnuppert. „Da kann man erst mal gucken, was ist denn überhaupt etwas für mich“, so Gerdi Buchhold. Das Gros der Teilnehmer ist in seinen 50er-Jahren, die ältesten Einsteiger sind Anfang 80. Sie profitierten doppelt von der meditativen Bewegungskunst aus Fernost, meint die Trainerin. „Zum einen hat man bei der Abreise Übungen im Gepäck, die einem helfen, den Alltag durchzustehen. Aber es ist auch ein Weg zur Bewältigung der Lebensgeschichte – durch Loslassen.“

Nur die Jungen wundern sich
Manche Leidenschaft entfacht erst spät. Mit 50. Oder mit 60 Jahren. Auf einmal ist da der Impuls: Das muss ich jetzt noch machen. Das ist meine letzte Chance. Und so kommt es, dass sich Ruheständler plötzlich auf einem Katamaran-Segler wiederfinden – zum ersten Mal in ihrem Leben. Andere wandern durch die Wüste oder laufen Ski. Ein 60-Jähriger im Taucheranzug? Oder gar am Fallschirm schwebend?

„Darüber wundern sich doch meist die Jungen und die anderen, die solche Ideen nicht haben. Und zwar die, die glauben, dass ältere Menschen immer irgendwie gebrechlich zu sein haben“, sagt der Psychologe Heinz-Detlef Scheer, der Senioren bei ihrer Lebensplanung berät. „Beate Uhse hat im hohen Alter angefangen zu tauchen.“ So ein später Start macht auch durchaus Sinn, meint Psychologe und Alternsforscher Dr. Christoph Rott. „Weil man sich sonst mit 80 sagt: Hätt ich’s doch bloß gemacht, als es noch ging.“

Früher fehlten Zeit und Geld
Manche Wünsche werden fast ein Leben lang unterdrückt, weil man sich nicht traut oder der Partner sie nicht gutheißt. Vielleicht war man früher auch beruflich zu sehr eingespannt oder das Geld fehlte, sodass an ein zeit- und kostenintensives Hobby wie etwa das Golfen nicht zu denken war. Anders als die Kriegsgenerationen bescheidet sich die jetzt alternde Generation nicht so stark selbst. Sie geht ihren eigenen Interessen nach: ferne Länder erkunden, Sport treiben, spannende Freizeitbeschäftigungen. Dazu muss man erst einmal herausfinden, woran man Spaß hat. „Das fällt einem nach einem halben Jahrhundert nicht mehr so leicht“, so Psychologe Scheer über den späten Einstieg.

Sein Rat: an positive Kindheitserinnerungen anknüpfen, auf innere Forschungsreise gehen und gucken, was man früher schon gern ausprobieren wollte. Und dann heißt es, sich dem inneren Schweinehund zu stellen. Der bellt im Urlaub am leisesten. Eine fremde Umgebung animiert, was Neues auszuprobieren. Keiner kennt einen, falls man sich ungeschickt anstellt. In vielen Ferienanlagen kann man Dutzende von Sportarten testen – ohne Gebühr. „Aktivurlaub ist im Trend“, sagt Claudia Wagner, Chefin von einem der führenden Anbieter von Gesundheitsreisen. „Golf, Tennis und alles, was mit Laufen zu tun hat, sind besonders gefragt. Wellnesshotels müssen heute alle Nordic Walking oder Walking anbieten.“ Auch Personal Training, bei dem der Urlauber ganz individuell von einem Fitnesstrainer betreut wird, sei immer mehr im Kommen. Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. bestätigt den Trend: Machten 1999 noch knapp 13 Prozent der über 60-Jährigen einen Aktivurlaub, so waren es in 2005 schon mehr als 21 Prozent. Dennoch: Eine zweite Jugend bricht mit 60 nicht an. Eine Stippvisite beim Sportarzt ist Pflicht, bevor man neu durchstartet.

Das zahlt die Kasse
Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen häufig Zuschüsse, wenn Sie aktiv etwas für Ihre Gesundheit tun. Das können Präventionsprogramme zu Hause oder auch im Urlaub sein. Bezuschusst werden vorbeugende Gesundheitsprogramme zu den Themen Bewegung, Entspannung und Ernährung. Wichtig ist, dass Sie sich vorab mit dem Angebot an Ihre Kasse wenden und formlos den Zuschuss beantragen. Der liegt in der Regel bei 75 Euro pro Thema und Jahr. Werden zwei Themen in einem Kurs abgedeckt, kann die Förderung auch 150 Euro betragen.

Senioren Ratgeber



Geschrieben am 09.07.2007 um 10:00
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